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Erhaltungsbeitrag für Besichtigung der Kirche: Darf man das?
Pressebericht vom Diskussionsabend des Fördervereins in der St. Nikolai Kirche
(www.ostsee-zeitung.de vom 8. November 2007
- Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)
Die Nikolaikirche erhebt seit Juli ein Eintrittsgeld von zwei Euro
für die Besichtigung. In nur zweieinhalb Monaten spülte das
99 000 Euro in die Kassen für die Sanierung. Der Erhaltungsbeitrag ist aber umstritten.

Foto: EPD


Stralsund. Heißer Schlehensaft nach hitziger Debatte in der Kirche sollte wohl beruhigen. Und das war nicht die schlechteste Idee. Denn in der öffentlichen Diskussion am Dienstagabend über den umstrittenen Eintrittspreis von zwei Euro in St. Nikolai schlugen die Wogen hoch. Eingeladen hatte der Förderverein. Gekommen waren rund 50 Gäste, die im Raum der Kinderkirche eng zusammenrückten und Für und Wider, von Emotionen getragen, erörterten. Ausgewogen moderiert vom neuen Vereinschef Reinhard Lampe. Er war es auch, der die provokative Frage stellte, die viele in der Stadt beschäftigt: Eintrittsgeld für die Kirche - darf man das?

Dr. Susanne Schmidt, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, machte deutlich, dass ihr Gremium es sich mit dem unpopulären Erhaltungsbeitrag - "wir bleiben bei diesem Wort" - keinesfalls leicht macht. "Wir haben gerungen." Doch vor dem Hintergrund sinkender Einnahmen, ausbleibender Zuschüsse, einem großen Loch im Kirchenhaushalt sowie einem gewaltigen Sanierungsbedarf hätte es nur zwei Möglichkeiten gegeben: Kürzungen beim Personal zu Lasten der inhaltlichen Arbeit oder die Verantwortung für die Kirche auch an die Besucher weitergeben. Das Ergebnis scheint der Gemeinde Recht zu geben. "90 Prozent der Leute sehen es ein und zahlen. Es ist uns gelungen, den Fehlbetrag einzuspielen", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, Juwelier Claus Stabenow. Pfarrer Hanns-Peter Neumann kann das mit beeindruckenden Zahlen belegen: Von Mitte Juli bis Ende September spülten die Eintrittsgelder 99 000 Euro in die Kasse. Für das ganze Jahr hatte man 95 000 Euro bei durchschnittlich zwischen 150 000 und 180 000 Besuchern eingeplant.

"Finanziell ist es ein Erfolg. Die Bereitschaft, zu zahlen, war überraschend groß. Wir haben mit mehr Widerstand gerechnet", sagte Neumann. Vorausgesetzt, das Konsistorium stimme zu, soll die Regelung deshalb auch beibehalten werden. Doch genau hier scheiden sich die Geister.

Für Dr. Dieter Bartels, Mitglied im Förderverein von St. Nikolai und zugleich im Gemeindekirchenrat von St. Marien, ist das "die Aufkündigung der Solidargemeinschaft mit anderen Kirchen". Die Argumente im Brief des Gemeindekirchenrates seien schlichtweg falsch. Es stimme nicht, dass die Lasten zur Erhaltung von St. Nikolai auf wenigen Schultern lägen. "Ganz Deutschland hat sich an der Sanierung der Kirche beteiligt", so Bartels. Die Verbreitung des Evangeliums hätte noch nie Ertrag gebracht und sei nie wirtschaftlich sinnvoll gewesen. Man könne sich nicht von knapp 100 000 Euro blenden lassen, aber Christen abweisen und verärgern.

Ähnlich sieht es Paul-Ferdi Lange, langjähriger Pfarrer und bis vor kurzem Vorsitzender des Fördervereins. Er habe riesige Bauchschmerzen. "Ich bitte Sie als Pastor, zu prüfen, ob der offene Brief nicht mehr geschadet hat als er uns nützt, weil er so nicht stimmt", mahnte er zu einem Überdenken der Entscheidung.

Einen großen Imageschaden für die Stadt sieht Tourismuschefin Birgit Wacks. Man müsse behutsamer vorgehen. Das Gotteshaus werde kommerzialisiert. Besucher hätten kein Verständnis. Individualtouristen würden mit großem Befremden und Erstaunen reagieren. Reisegruppen würden St. Nikolai ganz aus ihrem Programm streichen und eine andere Kirche vorziehen. Das bestätigten auch mehrere Gästeführer. Michael Hartwig regte an, zumindest eine Ermäßigung für Reisegruppen einzuführen.

Das sieht Claus Stabenow anders. Bei ihm im Geschäft hätte sich bisher noch kein Tourist beklagt. Auch Marianne Störmer, die im Einlassdienst tätig ist, machte gegenteilige Erfahrungen: Sie sei zunächst absoluter Gegner des Erhaltungsbeitrages gewesen, habe aber ihre Meinung total geändert. "Die Touristen gehen jetzt viel bewusster in die Kirche. Sehen die Schätze wirklich." Wer interessiert sei, würde zahlen. Die Anzahl der Leute, die wegen des Eintrittspreises auf einen Besuch verzichten, sei "ausgesprochen klein". Und wer zum Beten komme, der dürfe das schließlich kostenlos.

MARLIES WALTHER


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