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Gregorianik
Bibeltexte sollen in die Herzen dringen
(www.ostsee-zeitung.de vom 21. August 2008
- Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

Andächtig schreiten sie durch den Kreuzgang, Kerzen in der Hand, die weißen Gewänder wedeln majestätisch. Eng umhüllen Kapuzen die Gesichter der jungen Männer - eine göttliche Boy-Group. Die Mönche des Klosters Heiligenkreuz haben es in diesem Jahr in die Top Ten der englischen Charts geschafft.

Noch vor die großartige Katastrophen-Amy. Und sogar Madonna, die Weltliche, haben sie überholt. Ein Pater aus dem Kloster im Wienerwald sagte kürzlich in der Presse, er hätte nichts dagegen, dass die Menschen "nach unserer Musik aus-chillen." Was das nun wieder sei, hat er nachschlagen müssen. Dass die Musik die Charts erobert, wundert Stefan Klöckner nicht. Er ist der einzige Professor für Gregorianik und Liturgie. Seinen Lehrstuhl hat er an der Folkwang-Hochschule für Kunst und Musik in Essen. Er teilt also seine Vorliebe inzwischen gottlob mit vielen Menschen, aber er ist der einzige, der in dieser Musik forscht wie ein Archäologe. Am Dienstagabend hat er in der Nikolaikirche einen Vortrag gehalten, auf Einladung des Fördervereins. Es handelt sich bei einem gregorianischen Choral, benannt nach Papst Gregor dem Großen, einer liturgischen Autorität der katholischen Kirche, um einstimmige Vertonungen von Texten aus der Bibel. Laut gelesen sollten Texte der Bibel in Herz und Seele gepflanzt werden, die Mönche sollten sie auswendig sprechen können.

Aber vielleicht grummelten sie sprechend zu sehr. Die Texte wurden jedenfalls im 8. Jahrhundert in Noten gesetzt und seitdem gehören sie zum Alltag in jedem Kloster. Siebenmal am Tag wird zum Stundengebet gerufen und die Liturgie gesungen.

Klöckner beschäftigt sich in seiner Arbeit mit eben diesen Hintergründen, aber auch mit Pünktchen über den Wörtern, oder kleinen Häkchen mit oder ohne Strich und den Tempi. Die Gemeinde seiner Zuhörer sang am Ende herzergreifend. Das, betonte er, sei die einzige Aufgabe der gregorianischen Gesänge, in die Herzen zu dringen. "Nicht mehr, aber auch nicht weniger." Jeden Mittwoch um sieben Uhr erklingen übrigens solche herrlichen Gesänge im Chorraum der Nikolaikirche. Auf CD gepresst könnte das ohne weiteres - Heiligenkreuz hat es bewiesen - die neue Stralsund-Sensation werden.

JULIANE VOIGT


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