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St. Nikolai: Ostfenster werden restauriert

145 000 Euro kostet die Erneuerung der Fenster. Einen Teil des Geldes gibt der Staat. Aber die Gemeinde benötigt dringend Spenden.
(www.ostsee-zeitung.de vom 27. September 2007
- Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)






Stralsund. Sie klappern im Wind. Einige der kleinen rautenförmigen Scheiben fehlen bereits, sind aus der Bleifassung gefallen. Der nächste Sturm könnte die acht großen Ostfenster von St. Nikolai vollständig zerstören.

Um das zu verhindern, beginnt in der kommenden Woche die Restaurierung. Pfarrer Hanns-Peter Neumann: "145 000 Euro sind dafür nötig." Doch weil das Geld knapp ist, konzentrieren sich die Arbeiten im ersten Bauabschnitt auf jene fünf Fenster mit den größten Schäden.

Dafür hat die Bundesrepublik Deutschland bereits 50 000 Euro zur Verfügung gestellt. Weitere 30 000 sind beim Land beantragt, aber noch nicht bewilligt. 28 000 Euro will die Kirchengemeinde aufbringen, bittet deshalb um Spenden. "Der größte Teil fehlt noch", sagt der Pfarrer und appelliert dabei auch an die Bürger der Stadt, Verantwortung für das kulturelle Erbe zu übernehmen. Das sei nicht allein Sache des Staates und der Kirche.

Heute Abend will der Gemeindekirchenrat von St. Nikolai entscheiden, welche Firma die Arbeiten ausführen soll. Beworben haben sich nach einer Ausschreibung mehrere. Neumann: "Alle wissen, dass sie in der nächsten Woche beginnen sollen." Der Zeitplan ist eng. Pro Fenster sind drei Wochen vorgesehen. Im Februar soll alles fertig sein.

Unterhalb des größten, des zentralen Fensters wird bereits gearbeitet. Restaurator Volker Ehlich aus Brodowin (das liegt in der Nähe des Klosters Chorin) sichert zusammen mit seinen Kollegen Jenny Heymel und Andreas Rink die Bekrönung einer privaten Doppelkapelle aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Bei der Reparatur der Fenster würde sie stören, ist aber selbst - wie die gesamte Kapelle auch - stark restaurierungsbedürftig. Doch das muss warten. "Wir sichern nur und dokumentieren", erklärt Ehlich.

Die acht Ostfenster der Nikolaikirche, die ein Denkmal von nationaler Bedeutung ist, wurden zuletzt Mitte bzw. Ende des 19. Jahrhunderts in Ordnung gebracht. Teilweise sind die Scheiben gelb, teilweise farblos. "Was noch heil ist, wird wiederverwendet", sagt Pfarrer Neumann. Dabei sollen die gelben und farblosen Scheiben zusammengefasst und nicht wieder auf die einzelnen Fenster verstreut werden.

Sorgen bereitet Hanns-Peter Neumann der Sparkurs der Hansestadt. Denn die Mittel für die Kirchen in diesem Jahr wurden jetzt komplett gesperrt. Eine weitere Kürzung von Zuschüssen für den Erhalt von St. Nikolai ist für Neumann nicht verantwortbar. "41 000 Euro waren in diesem Jahr für die Kirche vorgesehen. Die Summe ist dann bereits halbiert worden", sagte er. Dringend nötige Arbeiten können jetzt nicht mehr ausgeführt werden. Als Beispiel nannte er die Dachsanierung. "Wenn die nicht fortgesetzt wird, dringt weiterhin Wasser ins Mauerwerk und in die Fenster." Auch mittelalterliche Wandgemälde oder die barocke Taufkapelle seien in sehr großer Gefahr. "Wenn wir da nichts machen, sind die Kunstschätze unrettbar verloren. Es ist fünf vor zwölf."

JENS-PETER WOLDT


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