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PRESSEMITTEILUNG

Vom Mittelalter zur Reformation:
Jahresprogramm des Fördervereins St. Nikolai zu Stralsund e.V.

Als vor genau vierhundertneunzig Jahren, im Frühjahr des Jahres 1523, der herumziehende Gelegenheitsarbeiter und Söldner Christian Ketelhodt das Stadttor Stralsunds passierte, ahnten die Bürger der Stadt nicht, dass damit das Ende des Mittelalters für die Hansestadt gekommen war. Er selbst wohl auch nicht.

Ketelhodt war Chorherr des Prämonstratenserklosters Belbruck in Hinterpommern (heutiger Stadtteil Bialoboki von Trzebiatów, dem früheren Treptow a.d. Rega), als er dem pommerschen Reformator Johannes Bugenhagen begegnete. Daraufhin verkündigte er als Pfarrer an der Nikolaikirche in Stolp (heute Slupsk) die Lehre der Reformation. Etwas zu früh, denn der damalige Landesfürst Bogislaw X. setzte ihn auf Betreiben des zuständigen romtreuen Bischofs 1522 ab. Erst unter Bogislaws Nachkommen wurde zwölf Jahre später in Pommern die Reformation allgemein eingeführt.

Ketelhodt schlug sich nach seiner Absetzung auf der Wanderschaft durch Mecklenburg und Pommern mit handwerklichen Tätigkeiten und Kriegsdienst durch und blieb eher zufällig 1523 in Stralsund hängen, wo er bei einem Handwerksmeister das Tuchfärben erlernte. Wie munter es damals in der Kirche zuging, zeigt folgende Begebenheit: Als Ketelhodt eines Tages den Gottesdienst in der Katharinenkirche (heute Meeresmuseum) besuchte, wurde er vom predigenden Priester erkannt und als "entlaufener Mönch" beschimpft. Ketelhodt zahlte mit gleicher Münze heim: Das sei "alles Geschwätz eines ungelehrten Esels", rief er und verließ die Kirche. Damit begann die Reformation in Stralsund. Denn nach dem Vorfall baten ihn Stralsunder Bürger, dass er öffentlich lutherisch predige, was er am 10. Mai 1523 erstmals tat - noch unter freiem Himmel und außerhalb der Stadtmauer. Nach amtlichem Predigt-Verbot und neuen Schmähungen predigte er am 1. Juni 1523 erstmals in St. Nikolai, geschützt vom Bürgermeister Nikolaus Smiterlow und anderen Ratsmitgliedern. Es folgten zweijährige verbale und tätliche Auseinandersetzungen, deren Höhepunkt das sogenannte "Kirchenbrechen" am 10. April 1525 war, als Kirchen und Klöster geplündert wurden. In der Folge wandte sich die Mehrheit der Bürger sowie der Rat der evangelischen Lehre zu - ein knappes Jahrzehnt vor dem Rest Pommerns! Ketelhodt wurde Hauptpfarrer an St. Nikolai und fortan ein bestimmender Kopf der Reformation.

Wir freuen uns darauf, mit dem Vortrag unseres Vorstandsmitgliedes Christoph von Houwald im Mai an Ketelhodt erinnern zu können (21.5., 19.30 Uhr) und betrachten dies auch als Beitrag zur "Lutherdekade der EKD" vor dem 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther im Jahr 2017. Dass das Jahr 2013 dabei unter dem Thema "Reformation und Toleranz" steht, gibt unserem Gedenken angesichts der Konflikte um die Einführung der Reformation in Stralsund seinen besonderen Reiz. Auch in den nächsten Jahren werden wir mit Vorträgen der Stralsunder Reformation gedenken. Die Reformation gilt als endgültiges Ende des Mittelalters in Europa und daher lag es nahe, die gesamte Vortragsreihe des Fördervereins St. Nikolai in diesem Jahr mit mittelalterlichen Themen zu bestreiten: Es geht diesmal um die Geheimnisse der Zahlensymbolik bei der mittelalterlichen Kirchenplanung (18.6., 19.30 Uhr), um Skurriles aus der Schifffahrtsgeschichte am Beispiel einer mittelalterlichen Pilgerreise ins Heilige Land (30.7., 19.30 Uhr) und um die faszinierende Kunst und Musik des Hochmittelalters bei einem Streifzug durch drei Jahrhunderte, vom 10. bis zum 12. Jahrhundert. Auch der öffentliche Vortrag nach unserer Mitgliederversammlung am 7. September, gegen 12 Uhr, wird dem Mittelalter seine Referenz erweisen: Es geht um Backsteingotik, Baumkuchen und Fachwerkpracht bei einer Bilderreise in die Hansestädte Salzwedel und Tangermünde.

gez. Pfarrer Reinhard Lampe (Vorsitzender)

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