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Hebräischer Gottesname
ziert wieder Westportal von St. Nikolai
Stralsund (rl). Beim Gedenken an die Pogromnacht des 9. November 1938 wurde das restaurierte Westportal von St. Nikolai wieder eingeweiht. Bei der Restaurierung war auch der auf Druck der Nazipropaganda im Jahr 1938 entfernte hebräische Gottesname wieder hergestellt worden. Die Restaurierung ging auf eine Initiative des bisherigen Vorsitzenden des Fördervereins St. Nikolai zu Stralsund e.V., Pastor em. Paul-Ferdi Lange, zurück. Die Kosten, rund 15.000 €, wurden ausschließlich aus privaten Spendenmitteln des Fördervereins beglichen. Das zeigt, dass Zivilcourage gegen den Nazi-Ungeist nicht nur in Reden und Bekenntnissen besteht, sondern auch in großzügiger Spendenbereitschaft für ein denkmalpflegerisches Zeugnis historischer Gerechtigkeit - oder in einer Mitgliedschaft im Förderverein St. Nikolai zu Stralsund e.V.!

Pressebericht über die Wiedereinweihung des Westportals
(www.ostsee-zeitung.de vom 10. November 2007
- Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)

Stralsund. Ein stilles Gedenken, Blumenkränze und musikalische Umrahmung durch Pfarrer Albrecht Mantei - der 9. November ist vor allem ein Tag des Gedenkens an die vielen jüdischen Opfer der Reichspogromnacht im Jahr 1938. Alljährlich, so auch gestern, erinnern an der Stele im Johanniskloster Menschen an die Kristallnacht und den späteren Holocaust. Pfarrer Hanns-Peter Neumann zeigte sich erfreut darüber, dass viele Stralsunder an der Gedenkfeier teilnahmen. Gemeinsam ging es abschließend zum Westportal der Nikolaikirche.

Seit diesem Sommer ziert das Portal wieder seine ursprüngliche Inschrift, wie es sie bis vier Monate vor der Pogromnacht 1938 trug. Bis in die 30er-Jahre stand dort über dem Vers der alttestamentliche Gottesname "Jahwe" in hebräischer Schrift. Daran nahmen die Nationalsozialisten Anstoß, entfernten die Schrift kurzerhand und ersetzten sie durch ein Zitat aus dem 100. Psalm in gotischer Fraktur.

Erst vor einigen Monaten kamen im Zuge einer Promotion alte Fotodokumente zum Vorschein. Durch sie wurde eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes durch den Restaurator Volker Ehlich möglich. Hanns-Peter Neumann wies darauf hin, dass man die Geschichte mit einer solchen Maßnahme nicht rückgängig machen könne. "Aber wir können und wollen ein Zeichen setzen gegen den braunen Ungeist, der heute immer noch in manchen Köpfen herumspukt und der sich immer frecher und dreister Gehör verschafft." Abschließend schritten die Gäste gemeinsam durch das Portal und weihten es damit symbolisch ein.

MIRIAM WEBER

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